
Veranstaltungsreihe »Wilde Wisionen verzweifelt gesucht 3.0«Gemäß den letzten uns vorliegenden Informationen existieren im Innenministerium noch keine konkreten Pläne, systemkritische Menschen zwecks besserer Kontrolle zwangsweise in die Linkspartei einzuhegen, dauerhaft in Sicherheitsverwahrung zu nehmen oder gar vorbeugend zu erschießen.
Diesen glücklichen Umstand nutzen wir, um unsere im letzten Jahr begonnene Veranstaltungsreihe »Wilde Wisionen verzweifelt gesucht« fortzusetzen. Dabei wenden wir uns Themen und Fragestellungen zu, deren Analyse und (kontroverse) Erörterung dazu beitragen können, gesellschaftliche Entwicklungen und Phänomene besser zu verstehen und einzuordnen. Dies nicht, um uns mal wieder gegenseitig die Ausweglosigkeit im kapitalistischen Jammertal zu bestätigen, sondern mit dem Ziel, möglichst viele Risse und Bruchstellen in der gebetsmühlenartig propagierten Alternativlosigkeit aufzuspüren, die uns Chancen für widerständige, lebenswerte Handlungsansätze eröffnen.
Beginnen werden wir unsere Reihe im September mit einem Tageskongress in Kooperation mit der Dortmunder Fachhochschule. WissenschaftlerInnen, AktivistInnen und Interessierte diskutieren dort gemeinsam den fortschreitenden Umbau des Arbeitsmarktes mit Hilfe der Hartz-IV-Gesetze. Ein Thema, dem wir bereits zu Beginn des Jahres einen Tagesworkshop widmeten.
Im Oktober wird uns Rolf Gössner, einer der informiertesten kritischen Beobachter des innenpolitischen Sicherheitsdiskurses, einen fundierten Einblick in den scheinbar unaufhaltsamen Marsch in den Überwachungsstaat in Zeiten weltweiter Terrorismusangst und zunehmender sozialer Unsicherheiten geben. Weitere Bestandteile dieses sogenannten Antiterrorkampfes sind die zur weltweiten Normalität gewordenen, »friedenschaffenden« Militäreinsätze sowie die sich kontinuierlich verschärfende Asyl- und Migrationspolitik. Zu beiden Themen werden wir ebenfalls eine Veranstaltung anbieten.
Zwar wird vereinzelt in der politischen Debatte die fortgesetzte Beschneidung persönlicher Rechte als Fehlentwicklung gebrandmarkt. Viel zu selten wird diese aber in den Kontext der Zunahme gesellschaftlicher und individueller Ängste gestellt. Die gesellschaftliche Produktion von Angst scheint uns hingegen sowohl Bedingung als auch Folge der neoliberalen und sicherheitsstaatlichen Zumutungen der letzten Jahre zu sein. Im November werden daher die Mechanismen der »Angstgesellschaft« Inhalt eines eigenen Tagesworkshops sein.
Im letzten Jahr haben wir in unseren Veranstaltungen die erhoffte produktive Diskussions- und Streitkultur erlebt. Offensichtlich ist es doch noch möglich, über den Tellerrand der eigenen politischen Standpunkte zu schauen, ohne diese der Beliebigkeit preiszugeben. Sollte dies auch dieses Jahr gelingen, so bestünde vielleicht die Chance, gemeinsam die eine oder andere »Wilde Wision« jenseits der herrschenden V-Visionen von orwellscher Freiheit und Sicherheit zu entwickeln.
Das Veranstaltungsprogramm kann hier heruntergeladen werden.
Nähere Infos unter: www.wildewisionen.de