Veranstaltungschronik
Kommunikationsguerilla.
Irritation der Normalität als (neue) Widerstandsform?
Eine Veranstaltung im Rahmen unserer Reihe »Wilde Wisionen verzweifelt gesucht«
13.12.2006

Alte Feuerwache
Wuppertal
19.30 Uhr
Eintritt frei!


Referent: Luther Blisset, Überall


Entstanden aus dem Bedürfnis nach einer politischen Artikulationsweise, die nicht frustriert, sondern Spaß macht, belebt die Theorie und Praxis der Kommunikationsguerilla seit nunmehr 10 Jahren die bundesdeutsche Bewegungslandschaft. Kommunikationsguerilla stellt dabei selbst keine Bewegung dar, sondern steht für eine grundsätzliche Haltung gegenüber politischem Handeln, welche nicht auf die Überzeugung der Massen zielt. Infostände, Flugblattaktionen und Demonstrationen sind nicht ihr Metier. Vielmehr geht es ihr um die Blamierung und Infragestellung der Macht.

Kommunikationsguerilla will Verwirrung im System der Normalität stiften. Sie will die Machtbeziehungen irritieren, welche definieren, was als richtig oder falsch, normal oder abwegig, gut oder böse anzusehen ist. Sie betreibt das Spiel mit Bildern, Identitäten und Repräsentationen. Sie sucht nach einer politischen Positionierung, die nicht nur auf theoretische Analysen vertraut, sondern auch in Bildern denkt. Oft spricht Kommunikationsguerilla dabei selbst mit der Stimme der Macht. Sie entwendet Bilder, Logos, Redeweisen, Haltungen, Körpersprachen. Ihre Interventionen sprechen aus, was durchaus gesagt werden könnte, aber keinesfalls gesagt werden darf, schon gar nicht von bürgerlichen Autoritäten und imagebewussten Konzernen.

Kommunikationsguerilla will etablierte Kommunikations- und Sozialstrukturen durchbrechen. Sie will ihre Adressaten dazu bringen, zu überdenken, wem sie was glauben und warum. Ihr Credo: Zorn und Genervtheit sowie der Wunsch, der Macht eine lange Nase zu drehen, führen oft wirksamer als rationales Nachdenken zum Erkennen der Bruchstellen und Widersprüche im dominanten System.

Kommunikationsguerilla ist weder erst kürzlich erfunden worden, noch ist sie eine Exklusivveranstaltung der Linken. Ihre Ahnengalerie reicht von Till Eulenspiegel über die Maodadaisten bis hin zu den Sponti-Linken der Nach-68er. Sie findet ihre Entsprechung in einer kritischen Werbeszene, die mit der Strategie des Culture Jamming die Deutungshoheit der Konzerne untergräbt.

In unserer Veranstaltung wollen wir die verschiedenen Facetten von Kommunikationsguerilla darstellen und eine Bilanz versuchen. Ist Kommunikationsguerilla die adäquate (postmoderne) Antwort auf die Krise der linken Identitätspolitik und das Abebben wirkmächtiger sozialer Bewegungen? Ist sie die konsequente Umsetzung »dekonstruktiver« Politikvorstellungen oder bloß Spielerei von akademisierten Mittelschichts-Linken, die die Mühen kollektiver Organisierung scheuen? Was ist von der Strategie der Kommunikationsguerilla in Zeiten zu halten, in denen Werbeagenturen längst die Aufmerksamkeitsmacht der subversiven Aktion erkannt und sich angeeignet haben? Worin besteht ihre subversive Sprengkraft im Vergleich zu Fernsehsendungen á la »Verstehen Sie Spaß«?

Der Referent:

Luther Blissett ist politischer Aktivist und lebt zu vielen Zeiten an vielen Orten. Er ist Mitherausgeber des »Handbuchs der Kommunikationsguerilla«.

Weitere Informationen:
www.wildewisionen.de 
http://kommunikationsguerilla.twoday.net/

 

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