Alte Feuerwache Wuppertal
19.30 Uhr
Referenten: Enno Schmidt und Harald Rein 
Zwar macht sich in größer werdenden Teilen der Bevölkerung Unmut über die zunehmende Prekarisierung, über »Hartz IV« und »ALG 2« breit. Zu spürbarem gesellschaftlichen Widerstand führte dieser Unmut bisher jedoch nicht. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein, etwa der Mangel an persönlichen Alternativen oder die individuell noch vorhandene Hoffnung auf Teilhabe bei genügend Anstrengung. Es fehlt aber zudem an politischen und gesellschaftlichen Wisionen, die Motivation und Inspiration einer oder mehrerer neuer sozialer Bewegungen sein könnten.
Angesichts dieser traurigen Situation stellt sich für uns die Frage, ob die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens hier eine Orientierung und Lösung darstellen kann. Könnte dieses Grundeinkommen kreative sowie innovative Potentiale inspirieren und freisetzen, die zu einer anderen, gerechteren Gesellschaft führen? Böte es Ansätze und Chancen, den vorhandenen globalen Ausbeutungsverhältnissen und der Herrschaft des Markts erfolgreich entgegenzuwirken?
Oder ist das bedingungslose Grundeinkommen vor dem Hintergrund der Globalisierung gar nicht denkbar? Würde es nicht die ungerechten Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Industrienationen und den sogenannten Entwicklungsländern zementieren? Würde es nicht die Tendenzen hin zur Festung Europa mit allen bekannten Ein- und Ausschlussmechanismen fördern und beschleunigen?
Wir Mitglieder der Stiftung W. haben zum bedingungslosen Grundeinkommen keine einheitliche Position. Aber wir haben Lust, diese Forderung kritisch zu durchleuchten und uns zu einer fundierten Urteilsbildung durchzuringen.
Die Referenten:
Enno Schmidt lebt als Künstler in Frankfurt a.M. Er ist Mitbegründer des »Unternehmen Wirtschaft und Kunst – erweitert« und hat zusammen mit Daniel Häni in Basel die »Initiative Grundeinkommen« ins Leben gerufen.
Harald Rein ist Sozialarbeiter und Sozialwissenschaftler und lebt in Frankfurt a.M. Er ist Mitarbeiter des Frankfurter Arbeitslosenzentrums und engagiert sich im »Rhein-Main-Bündnis gegen Sozialabbau und Billiglöhne« sowie im wissenschaftlichen Beirat des »Netzwerks Grundeinkommen«.

