Veranstaltungschronik
Living for Change.
Vortrag und Diskussion mit Grace Lee Boggs (Detroit)
20.10.2005
Nachbarschaftsheim am Platz der Republik, Wuppertal
Beginn: 19.30 Uhr


Die Bewegungsaktivistin und Schriftstellerin Grace Lee Boggs, 90 Jahre alt, engagiert sich seit mehr als 60 Jahren in den sozialen Bewegungen und berichtet über ihre Erfahrungen mit sozialem Protest und Selbstorganisation. Detroit, die Metropole von General Motors und Ford, ist seit 1953 ihr Aktionsfeld. In ihren Texten beschäftigt sie sich mit den sexuellen, rassischen und klassenspezifischen Diskriminierungen und dem Widerstand dagegen. Zusammen mit ihrem Mann Jimmy Boggs veröffentlichte sie 1974 »Revolution und Evolution im 20. Jahrhundert«, in dem die Bedingungen radikaler Gesellschaftsveränderung ausgelotet werden.

Seit die »rebellions« Ende der 1960er Jahre den amerikanischen Kapitalismus und den American Way of Life als eine allen offen stehende Lebensperspektive erschütterten, war für das Ehepaar Boggs klar, dass die Bewegungs­aktivistInnen in der Pflicht sind, neue Formen für gesellschaftliche Kämpfe zu entwickeln. Nötig waren darüber hinaus neue Konzepte zu Arbeit, Bildung, lokaler sozialer Gemeinschaft, Gesundheit, Gerechtigkeit und Demokratie. 

In den späten 1980er Jahren – als die Agonie und der Zerfall Detroits endemische Ausmaße angenommen hatte und die politischen Eliten einen verzweifelten Ausweg aus der Krise in der Ansiedlung der Glücksspielindustrie suchten – bot sich die Gelegenheit, einen alternativen Gesellschaftsentwurf im politischen Diskurs der Stadtgesellschaft zu verankern. Jimmy Boggs forderte für den Wiederaufbau der zerstörten Stadt einen grundlegenden Wechsel in der Produktionsweise, orientiert an den menschlichen Bedürfnissen und der lokalen Gesellschaft. Es sollten kleine Unternehmen zur Nahrungsproduktion und für Güter und Dienstleistungen des lokalen Marktes, kombiniert mit qualifizierter handwerklicher Arbeit, welche eine flexible und bedürfnisgerechte Produktion ermöglichen, gegründet werden.

Inzwischen ist Detroit dabei, ein Beispiel für den Grassroots Post-Modernism zu werden – eine sich ursprünglich in den zwei Dritteln der Welt, die nie industrialisiert waren, entfaltende soziale Bewegung. Eine Bewegung, die das Entwicklungsdenken und den Alleindeutungsanspruch der Moderne radikal in Frage stellt.

Der Einladungsflyer kann hier als Pdf-Dokument heruntergeladen werden.

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