Alte Feuerwache Wuppertal
Beginn: 19:30 Uhr
Das Militärische breitet sich aus – »begrenzte Kriegsführung« wird salonfähig, gehört dazu, wenn PolitikerInnen von »weltweiter Verantwortung« reden, von »friedenschaffenden Maßnahmen«, und damit militärische Einsätze meinen. Die Begründung und Rechtfertigung der weltweiten Militäreinsätze der Bundeswehr liefern Worthülsen: Es geht um »unsere« Interessen und »deren« Freiheit, um »unsere« Sicherheit und »deren« Menschenrechte, per Kriegsgerät exportiert.
Gleichzeitig dringt das Militär hier wie dort immer weiter in zivile Bereiche vor – ob beim Deichbau an der Oder oder beim bewaffneten Brunnenbau in Afghanistan, ob beim Spähflug über einer Hochzeitsgesellschaft im Kundus oder beim Tornadoeinsatz über einem Demonstrationscamp bei Heiligendamm. Und auch die Militarisierung unseres Alltags schreitet voran: Arbeitsamtsleitungen finden es normal und richtig, wenn die Bundeswehr arbeitslosen Jugendlichen im Gebäude der Agentur für Arbeit bei Anwerbeveranstaltungen »sichere« Jobs beim Militär und eine Ausbildung zu Disziplin und Gehorsam, zum Töten und Töten lassen, anbietet. Und die Mehrzahl nimmt den schleichenden »Einsatz der Bundeswehr im Innern« mit Panzern auf Verkehrsbrücken und Tornados über unseren Köpfen offenbar nicht als Bedrohung wahr.
Trotz dieser zunehmenden Militarisierungstendenzen lassen sich kaum Ansätze breiter antimilitaristischer Bewegungen und Praktiken ausmachen. Im Gegenteil scheinen antimilitaristische Haltungen für viele nach und nach an Gültigkeit zu verlieren. Denn täglich werden wir medial mit Konflikten konfrontiert, in denen das Leiden der Menschen solche Ausmaße annimmt, dass der Widerspruch zwischen der eigenen antimilitaristischen Haltung und der Wunsch nach militärischer Intervention kaum auszuhalten ist. In Aussicht gestellt wird nicht weniger als die Möglichkeit, durch den militärischen Einsatz der »guten UNO-Truppe« dem Leiden und Sterben mit kriegerischer Gewalt ein Ende zu setzen.
Ist dies der verständliche Wunsch nach dem »geringeren Übel«, das aber Menschenleben retten kann? Dient dieser Wunsch nicht auch der Beruhigung unseres eigenen Gewissens, nicht rechtzeitig genauer hingesehen und agiert zu haben (etwa was Rüstungsgeschäfte oder wirtschaftliche und politische Einflussnahmen angeht)? Oder ist dieser Wunsch eine ideologische und psychologische Steilvorlage für KriegsbefürworterInnen? Was ist aus der Einsicht geworden, dass Armeen, staatlich ins Spiel gesetzt, mit militärischer Gewalt konkrete Ausbeutungs- und Abhängigkeitsverhältnisse durchsetzten, dass das Militär patriarchale und rassistische Herrschaftsstrukturen repräsentiert, institutionalisiert und verstärkt? Was ist aus dem Wissen darum geworden, dass jede Armee letztlich ein Instrument der Herrschaft ist, welche dieses Leid und diese Not erst ermöglicht und hervorgebracht hat?
Ob und in welchem Maße das Leiden und Sterben der Menschen während und nach einem durch UN-Truppen geführten Krieg wirklich geringer ausfällt, lässt sich nur beantworten, indem wir uns die Situation in den betroffenen Regionen genau ansehen und uns verdeutlichen, welche politischen, ökonomischen, sozialen und welche direkt tödlichen Folgen das Agieren der Bundeswehr- und NATO-Soldaten für die Menschen vor Ort hat. Dabei bleibt angesichts der derzeitigen Außen- und Innenpolitik die Frage nach einer mittel- und längerfristigen Perspektive für eine antimilitaristische Praxis bestehen, die die benannten Widersprüche auszuhalten lernt und neu verhandelt, und die dabei die Vermischung von Krieg und Frieden, von militärischem und zivilem Leben zurückweist.
Maria Baumeister lebt in Köln und engagiert sich in dem Aktionsbündnis »Bundeswehr wegtreten!«.
Eine Veranstaltung im Rahmen unserer Reihe »Wilde Wisionen verzweifelt gesucht 3.0«.
Der Eintritt ist frei! Anfahrtsbeschreibung unter: www.wildewisionen.de

