Veranstaltungschronik
Die verkaufte Stadt. Stadtentwicklung im Neoliberalismus
Eine Informations- und Diskussionsveranstaltung mit dem Stadtsoziologen Andrej Holm
16.05.2008

Alte Feuerwache Wuppertal
Beginn: 19.00
Eintritt frei!



Wer wohnt wo und unter welchen Bedingungen? Wer entscheidet über zentrale Fragen der Stadtentwicklung? Wie passen sich die räumlichen Strukturen an die Herausforderungen der Zukunft an? Wem gehört die Stadt? Fragen zur Stadt sind immer Fragen zur Gesellschaft.

Städte sind Gesellschaft. Weltweit leben mittlerweile fast 80 Prozent aller Menschen in städtischen Ansiedlungen. Deshalb sind Städte auch Spiegelbild und Austragungsort von gesellschaftlichen Konflikten und politischen Auseinandersetzungen. In Städten werden Eigentumsfragen gestellt, Wirtschaftsbranchen geleitet und politische Entscheidungen getroffen. Städte sind aber auch die Orte sozialer und kultureller Milieus und öffentlicher Diskussionen.

Städte sind umkämpfte Räume. Nicht nur als Bühne von Protestbewegungen sondern vor allem als Thema von sozialen Auseinandersetzungen. Geplante Großprojekte, die Auswirkungen von Hartz IV auf die Wohnungsversorgung und die Aufwertung von Nachbarschaften stehen ebenso für die Vielfalt städtischer Konfliktlinien wie die Privatisierung öffentlicher Wohnungen, Mittelkürzungen im Sozialbereich und zunehmende Überwachung öffentlicher Räume.

Städte sind Orte der Veränderung. Galten Städte lange Zeit als Orte der Integration und Wohlfahrtsversorgung, sind sie heute nur allzu oft von Polarisierung und Ausgrenzung geprägt. Die Stadt- und Wohnungspolitik stellte insbesondere in der Nachkriegszeit einen Kernbereich der sozialstaatlichen Wohlfahrtsorientierungen dar. Sozialer Wohnungsbau, Stadterneuerungsprogramme und das Planungsziel von gleichwertigen Lebensverhältnissen standen im Zentrum einer modernen Stadtpolitik. Fördergelder, kommunale Unternehmen und rechtliche Regulation waren die Instrumente der damaligen städtischen Entwicklung. Durch zunehmende Globalisierungstendenzen der Wirtschaftskreisläufe und politische Machtverschiebungen werden die bisherigen Rahmenbedingungen einer sozialen Stadtentwicklung in Frage gestellt. Das ist das Ende der Stadt als staatliche Veranstaltung.

Auf der Veranstaltung werden diese Brüche der Stadtpolitik und die Tendenzen zur Privatisierung  und Deregulierung in ihren Auswirkungen auf die Städte beschrieben und zur Diskussion gestellt.

Dr. Andrej Holm (Stadtsoziologe) arbeitet zur Zeit am Institut für Humangeographie an der J.W. Goethe Universität Frankfurt/Main.

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