Zur Erreichung der gemeinsamen Zielsetzungen bildeten die fünf Wuppertaler Stiftungsratsmitglieder eine Art Kerngruppe, die mit ihren regelmäßigen internen Treffen, der Organisation der ca. alle zwei Monate stattfindenden Gesamtgruppentreffen, ihren sonstigen lokalen Aktivitäten (insbesondere dem Auf- und Ausbau der Kontakte zu anderen politisch aktiven und interessierten Menschen) sowie der Durchführung von Veranstaltungen, für die Kontinuität und Entwicklung der Stiftungsarbeit Sorge trug. Möglich wurde diese erfolgreiche Tätigkeit vor allem durch zwei wesentliche Faktoren:
• Durch einen regelmäßigen, intensiven telefonischen und schriftlichen Austausch mit den weiter entfernt lebenden Stiftungsratsmitgliedern, die über die wesentlichen Gesichtspunkte der Wuppertaler Diskussionen auf dem Laufenden gehalten werden mussten und sich an den Planungen aller wichtigen Aktivitäten intensiv beteiligten.
• Durch die Bereitschaft aller Beteiligten zu einem außergewöhnlichen ehrenamtlichen Zeit- und Arbeitseinsatz, der in 2004 nochmals zunahm und häufig bis an die Grenzen der Belastung (insbesondere auch bei den indirekt beteiligten Familien) ging.
Um das erreichte Niveau der Stiftungstätigkeit zu halten und nach Möglichkeit sukzessive weiter zu steigern, ist es wichtig, den Kreis der Stiftungsaktiven nach und nach durch neu hinzukommende MitstreiterInnen zu erweitern. Aufgrund des zunehmenden Bekanntheitsgrades der Stiftung sind wir optimistisch, dass uns dies gelingt, obwohl es nicht einfach ist, Menschen für ein regelmäßiges ehrenamtliches Engagement zu begeistern.
Aktivitäten 2004
22.01.2004
Veranstaltung mit dem Stiftungsratsmitglied Annette Massmann
Thema: »Technologien des Selbst und die schöne neue Reformwelt. Zur Sprache des Sozialabbaus aus diskursanalytischer Perspektive«
Ort: Bahnhof Langendreer, Bochum. 25 Teilnehmende.
25.01.2004
Von Thomas Weyland (externer Moderator) vorbereitetes und moderiertes Treffen aller Stiftungsratsmitglieder zu den Themen realistische Jahresplanung, thematische Schwerpunktsetzung, Außenwirkung, Leistungsfähigkeit der Stiftungsratsmitglieder, Strukturierung von Arbeitsprozessen, interne Kommunikation und Einhaltung von getroffenen Verabredungen.
Das Treffen diente dazu, die vorstehend genannten Punkte vor dem Hintergrund der Erfahrungen der zurückliegenden zwei Jahre gemeinsam kritisch zu reflektieren, um Schwächen zu benennen und Formen effizienterer Organisation umzusetzen.
27. - 29.02.2004
Von Joachim Pütz (externer Moderator) vorbereitete und moderierte Zukunftskonferenz mit allen Stiftungsratsmitgliedern in Walsrode.
Thema: Zusammendenken persönlicher Lebensentwürfe und -situationen mit der Zukunft der Stiftung:
In zweieinhalb Tagen intensiven Austauschs gelangten wir zu gemeinsamen Bildern der künftigen internen Zusammenarbeit und zu ersten Ideen einer langfristig befriedigenden und erfolgreichen Arbeit zur Erreichung der Stiftungsziele. Im Rahmen der zweieinhalbtägigen Zukunftskonferenz entstanden u.a. auch einige sehr interessante Projektideen.
12.03.2004
Veranstaltung (Filmvorführung und Gespräch) mit dem Berliner Filmemacher Zoran Solomun und der Produzentin Elke Benz.
Filmvorführung: »Der Chinesische Markt«
Ort: Theater an der Gathe, Wuppertal. 20 Teilnehmende.
Film und Diskussion beschäftigten sich mit den sozialen Hintergründen und Überlebensstrategien im Prozess der Globalisierung, im Film beispielhaft dargestellt anhand von Transformationsprozessen in Osteuropa.
18.03.2004
Veranstaltung mit Mario Santucho (Mitglied des Colectivo Situaciones, Argentinien) in Kooperation mit dem Informationsbüro Nicaragua e.V.
Ort: Alte Feuerwache, Wuppertal. 25 Teilnehmende.
Mario Santucho berichtete über die aktuelle wirtschaftliche und politische Situation in Argentinien. Ferner regte der Vortrag eine Diskussion darüber an, inwieweit aus den argentinischen Erfahrungen Denkanstöße, Ideen und Impulse für den persönlichen Umgang mit dem hiesigen Sozialabbau gewonnen werden können.
02.05.2004
Seminar (ganztags) mit dem Sozialwissenschaftler Thomas Lemke
Thema: »Neoliberale Subjekte und Widerstand«.
Ort: Alte Feuerwache, Wuppertal. 15 Teilnehmende.
Thomas Lemke stellte zentrale Ansätze des Denkens von Michel Foucault vor, insbesondere seine Thesen zur Gouvernementalität. Die anschließende, angeregte Diskussion beschäftigte sich vor allem mit der Frage der Subjektkonstitution vor dem Hintergrund neoliberaler Normalisierungen.
08.05.2004
Zweite Stiftungsversammlung mit sieben externen Stiftungsversammlungsmitgliedern. Die Stiftungsversammlung fand in der Alten Feuerwache in Wuppertal statt. Sie begann um 15.00 Uhr und endete nach einem gemeinsamen Abendessen gegen 22.00 Uhr.
Den Stiftungsversammlungsmitgliedern wurde ein ausführlicher Einblick in die Arbeitserfahrungen und Perspektiven der Stiftung gegeben. Dabei wurde auch über die Zusammenarbeit mit dem Wuppertaler Sozialforum berichtet. Des Weiteren erfolgte ein Bericht zur materiellen und personellen Situation der Stiftung sowie über die Ergebnisse der zwei extern moderierten Konferenzen. Neben einer längeren, inhaltlich eingeleiteten Diskussion zum Thema Sozialabbau und Sicherheitsdiskurs fand mit den Anwesenden ein Gespräch zu den weiteren Planungen 2004 statt. Zudem erfolgte eine Ideensammlung für das vorgesehene Stiftungsfest 2005.
20.-23.05.2004
Im Rahmen unserer Mitgliedschaft (seit 2004) aktive Teilnahme am BUKO 27 (Bundeskoordination Internationalismus) in Kassel. Durchführung einer Veranstaltung innerhalb des Forums 3: »Soziale Rechte und Legalisierung« zum Thema »Sozialraub und Sicherheitsdiskurs – Subjek(tivierung) zwischen Zukunftsangst und Kontrolle«. In der Arbeitsgruppe mit 20 Teilnehmenden wurde erörtert, wie es, angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen, um das Verhältnis von Subjekt, (Un-)Sicherheit und sozialen Rechten steht.
22.06.2004
Veranstaltung mit dem Berliner Literaturwissenschaftler Marius Babias
Thema: »Das neue Europa. Geopolitik, Kunst und Kultur in Südosteuropa«
Ort: Alte Feuerwache, Wuppertal. 15 Teilnehmende.
Der Vortrag und die Diskussion sollten einen Beitrag dazu leisten, den westlichen Blick auf Südosteuropa mit Hilfe künstlerischer Beispiele kritisch zu hinterfragen und zu dekonstruieren.
24.09.2004
Veranstaltung (Filmvorführung, Vortrag und Diskussion) mit dem Kulturwissenschaftler Klaus Theweleit
Thema: »machtlüstern. Folter – sexualisierte Gewalt – Alltag – Politik – Wirklichkeit«
Ort: Haus der Jugend Barmen, Wuppertal. 110 Teilnehmende.
Anknüpfend an Pasolinis Film: »Salo oder die 120 Tage von Sodom« und die Folter in US-amerikanischen Haftanstalten im Irak, diskutierte Klaus Theweleit mit den Anwesenden über die gesellschaftliche Funktion und die individuellen Folgen sexualisierter Gewalt und Folter sowie über ihre öffentlichen Darstellungen.
25.09.2004
Ganztägiger Workshop mit dem Kulturwissenschaftler Klaus Theweleit
Ort: Kirchliche Hochschule, Wuppertal. 25 Teilnehmende.
Themen: Macht, Gewalt, Körper, Sexualität, Disziplinierung; Herrschaftstechniken und Möglichkeiten der Distanzierung; Was ist die Grundlage gesellschaftlicher Entwicklung?; Widerständigkeitspotentiale und Aufbau von Ermutigungszusammenhängen; »Wasserscheide« zwischen zivilgesellschaftlicher Herrschaftsmodernisierung und emanzipatorischer kollektiver Praxis.
Die vorstehenden Themen wurden in intensiven, sehr fruchtbaren Plenargesprächen im Verlauf des Tages ausführlich erörtert, wobei dem anwesenden Autor die Rolle eines zwar besonders fachkundigen, sonst aber gleichberechtigten Mitdiskutanten zukam.
17.11.2004
Veranstaltung mit Peer Stolle, wissenschaftlichem Mitarbeiter für Strafrecht an der TU Dresden, in Zusammenarbeit mit dem Informationsbüro Nicaragua
Thema: »Angst. Von der Abweichung Einzelner bis zur dauernden Bedrohung«
Ort: Alte Feuerwache, Wuppertal. 25 Teilnehmende.
Vortrag und Diskussion beschäftigten sich mit dem Zustand und den Veränderungen von Sicherheitspolitik vor dem Hintergrund gesellschaftlichen Wandels im neoliberalen Paradigma.
Ganzjährig
Neben der Durchführung der aufgeführten Veranstaltungen arbeiteten wir im ersten Halbjahr 2004 regelmäßig im Wuppertaler Sozialforum (Arbeitszusammenhang unterschiedlicher politischer Gruppierungen in Wuppertal, die sich kritisch mit dem stattfindenden Sozialabbau auseinandersetzen) mit und gaben die erste für Wuppertal erstellte Zeitung des Forums (»Zeitung für eine soziale Bewegung«, Auflage 20.000) heraus.
Außerdem arbeiteten wir weiter an unserer Internet-Präsentation und erstellten jeweils einen Reader zum Nahost-Konflikt sowie zu den Hartz-Gesetzgebungen.
Formales
In der Stiftungsratssitzung vom 04.12.2004 in Wuppertal wurden die drei GeschäftsführerInnen der Stiftung, Cecil Arndt (Stellvertreterin), Annette Massmann (Stellvertreterin) und Michael Lieberoth-Leden (Geschäftsführer), ohne Gegenstimme für weitere drei Jahre im Amt bestätigt.
Da wir in 2005 einige große Veranstaltungen und Finanzbeteiligungen planen, haben wir unsere freien Mittel in 2004 zurückhaltend eingesetzt (Reservenbildung). Anhaltspunkte zu den in 2005 geplanten Ausgaben geben die Rückstellungspositionen in der Bilanz (Passiva).
Ausblick
Für 2005 stehen aus derzeitiger Sicht mindestens drei größere Vorhaben an:
• Kick-off-Lit (bereits in 2004 angelaufen)
Versuch eines bundesweiten Literaturwettbewerbs mit dem Ziel, Menschen zu aktivieren, ihre politischen Ideen, Visionen, Hoffnungen, Träume etc. in Form einer Kurzgeschichte oder eines Manuskriptes zu Papier zu bringen, um dann die besten Entwürfe zu prämieren und die beste Geschichte in Form eines Groschenromans zu veröffentlichen.
• Drei Jahre Stiftung W.: »Welche Wirklichkeiten wollen wir? Zweite Exkursion«
Veranstaltung zum Thema Kontrollstaat und soziale Ausgrenzung nebst Zusammenkunft aller bisherigen Kooperationspartner der Stiftung (Wuppertal, Juni 2004). Ziel ist es, im Rahmen einer interessanten öffentlichen Veranstaltung mit vielen Wuppertaler BürgerInnen ins Gespräch zu kommen, Kontakte anzubahnen und zu vertiefen, gemeinsame Arbeitsansätze zu entwickeln und zu konkretisieren sowie die Stiftung weiter bekannt zu machen.
• Vergabe eines »Stiftungspreises« im November
Um nach und nach mit möglichst vielen interessanten Menschen und Projekten in Kontakt zu kommen, wollen wir in 2005 ein Projekt, eine Idee oder ähnliches auszeichnen, das/die in hervorragender Weise den Zielen unserer Satzung entspricht. Die Ausschreibung und die Rahmenbedingungen sind als Ideenskizze bereits vorhanden, müssen aber noch im Detail ausgearbeitet werden.
Daneben planen wir einige kleinere Einzelveranstaltungen und werden zudem mit aller Kraft daran arbeiten, unsere Gruppe trotz der bestehenden Herausforderungen zusammenzuhalten, vielleicht ein wenig zu vergrößern, und unsere Arbeit im Sinne der Satzung erfolgreich fortzusetzen.
Wuppertal, 31.12.2004
Der Bericht kann hier Pdf-Dokument herunter geladen werden.

