Jahresberichte
Jahresbericht 2005

Die bereits im Vorjahr beschriebenen erschwerten Rahmenbedingungen der Arbeit unserer Stiftung (außergewöhnliche berufliche Belastung einiger Stiftungsratsmitglieder und weit entfernte Wohnorte von vier aktiven Stiftungsratsmitgliedern) behielten in 2005 unverändert Gültigkeit.

Nach wie vor konzentrierte sich die wesentliche organisatorische und öffentlichkeitswirksame Stiftungsarbeit (inhaltliche Schwerpunktsetzung, Bearbeitung von Anfragen, Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen, Pflege der regionalen Kontakte) auf die fünf Wuppertaler Stiftungsratsmitglieder.

Der Informationsaustausch mit ihren in anderen Städten lebenden MitstreiterInnen wurde dabei (in schwankender Intensität) via E-Mail, Telefon und mittels gelegentlicher Gesamtgruppentreffen gepflegt.

Geprägt war das Jahr 2005 von vier zeit- und arbeitsaufwendigen Aktivitäten, die wir, unseren Zielsetzungen gemäß, weitgehend ehrenamtlich organisierten und bei freiem Eintritt anboten:

• Vorbereitung und Durchführung der öffentlichen Tagesveranstaltung (14.30 Uhr bis ca. 22.30 Uhr) »Mit Sicherheit arm« am 11.06.2005 in der Villa Media, Wuppertal.

Aus sehr unterschiedlichen Perspektiven nahmen zum Thema drei ReferentInnen Stellung: (Gabriele Gillen (Redakteurin WDR), Robert Kurz (Publizist und Buchautor) und Beate Zimmermann (Ärztin). Daneben erlebten die Gäste szenische Improvisationen von Partita Radicale (Wuppertal) sowie eine eindrucksvolle künstlerische Stellungnahme des Jugendtheaters Theater Total (Bochum). Den Abend leitete das Spardosen-Terzett mit humorvoll, nachdenklichen Texten und guter Musik ein. Angeregt durch die verschiedenen, sehr facettenreichen Darbietungen entwickelten sich zwischen den rund 100 BesucherInnen intensive und zum Teil sehr kontroverse Gespräche zu dem bewusst provokant gehaltenen Veranstaltungsthema und den erlebten Beiträgen.

• Verschiedene Aktionen zur Forcierung der bereits in 2004 angelaufenen bundesweiten utopie- und handlungsorientierten Ideensammlung »Kick off Lit« in Kooperation mit Radio gAZelle (Wuppertal) und Theorie und Praxis (Duisburg) (s. dazu auch Jahresbericht 2004).

Leider war das Ergebnis trotz erheblicher Anstrengung der Beteiligten nicht zufriedenstellend. Obwohl in einer Vielzahl von politischen Zusammenhängen und Medien für die Aktion geworben wurde, erreichten uns lediglich acht Einsendungen. Die Aktion wird in veränderter Form in 2006 fortgesetzt. Der Schwerpunkt Utopie soll verstärkt werden. An der genauen Ausgestaltung muss noch gearbeitet werden.

• Öffentlicher Workshop »Verunsicherte Existenzen. Ein Queer-Blick auf Arbeits- und Geschlechtsverhältnisse« am 18.11.2005 (20.00 Uhr - 22.00 Uhr) und 19.11 2005 (10.00 – 17.00 Uhr) in der Alten Feuerwache (Wuppertal). Referentinnen: Renate Lorenz, Brigitta Kuster und Pauline Boudry. 15-20 Teilnehmende.

Der für viele (auch politisch engagierte Menschen) noch fremde (ungewohnte) Themenkomplex wurde sowohl im Rahmen der Abendveranstaltung als auch während des Tagesworkshops vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen und Wahrnehmungen im privaten, beruflichen und politischen Umfeld ausführlich und sehr engagiert diskutiert.

Aufgrund der in der gemeinsamen Arbeit erkannten Alltagsrelevanz und der ausgezeichneten, ungewöhnlich konstruktiven Gesprächsatmosphäre, soll die gemeinsame Arbeit in 2006 fortgesetzt werden. Wir werden uns dabei durch verstärkte Werbung und persönliche Ansprache bemühen, mehr Menschen für den wichtigen und spannenden Themenkomplex zu interessieren.

• Bundesweite Ausschreibung und Verleihung (3.12.2005, Cafe ADA, Wuppertal, 19.30 Uhr – ca. 23.00Uhr) eines Stiftungspreises für »Wilde Wisionen«.

Eingesandt wurden, nach zahlreichen Hinweisen auf den Wettbewerb in Rundfunk, Regionalfernsehen, Zeitschriften und Internet, von unterschiedlichsten Menschen und Projekten 382 Wisionen. Nach Sichtung und Auswertung erhielten Soned e.V. (Berlin) für das bestehende Projekt »Die Kreutzigerstrasse. Ein gallisches Dorf mitten in Berlin« sowie Dr. Rüdiger Haude (Wuppertal) für seine Projektidee »Die Welthochschule« den Stiftungspreis in Höhe von jeweils Euro 2.500,-. Einen Sonderpreis in Höhe von 250,- Euro erhielt Henner Bangert (Bielefeld) für seine Idee: »no more V«.

Die Preisverleihung incl. Laudationes und Geldübergabe fand im Rahmen eines Programms zum Thema »Wilde Wisionen« in Anwesenheit von rund. 100 BesucherInnen im Cafe ADA (Wuppertal) statt. Referent war der Historiker Christoph Spehr aus Bremen (»Wisionen in der Wildnis«). Außerdem wurde ein Film zum Thema gezeigt: »Festhalten, Wilson – Insel und Utopie«. Der Wuppertaler Saxophonist Hiby umrahmte den Abend mit seiner wisionären Musik.

Alle 382 Einsendungen werden schlagwortartig im Internet präsentiert (http://www.wildewisionen.de/) und die Preisträger mit ihren Projekten ausführlich dargestellt. Die sehr arbeitsaufwendige Aktion war ein großer Erfolg, der auch die öffentliche Wahrnehmung unserer Stiftung verbesserte.

Neben den vorstehenden Aktivitäten führte die Stiftung W. am 20.10. im Nachbarschaftsheim Am Platz der Republik in Wuppertal eine Abendveranstaltung mit Grace Lee Boggs (Detroit) zum Thema »Chancen schrumpfender Städte« durch (15 Teilnehmende).

Frau Lee Boggs, neunzigjährige Bürgerrechtlerin aus den Vereinigten Staaten, war zum Workshop »Prozesse der Selbstorganisation – gemeinsame Selbstversorgung« (21.10. -23.10) in Köln eingeladen, an dem sich die Stiftung W. als Mitveranstalterin beteiligte.

In dem Kreis der Teilnehmenden entwickelte sich eine interessante Diskussion mit unserem amerikanischen Gast, in der u.a. auf die Parallelen und Unterschiede in der aktuellen und zukünftigen Entwicklung amerikanischer und deutscher Industriestädte eingegangen wurde. 


Ebenfalls engagierte sich unsere Stiftung mit einer finanziellen Beteiligung und der Teilnahme von vier Siftungsratsmitgliedern beim Bundeskongress der Bundeskoordination Internationalismus (buko 28) zum Thema »Von innerer und äußerer Landnahme«.  Der Kongress fand vom 5. bis 8. Mai in der Universität Hamburg statt. Er wurde von vielen Hundert politisch interessierten und engagierten Menschen besucht.

Alle diese Aktivitäten und die Bestreitung unserer regelmäßigen Treffen (alle vierzehn Tage) war nur dadurch möglich, dass die kleine Gruppe der Aktiven unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit investierte und dabei kontinuierlich (trotz unterschiedlichster Belastungen und Erschwernisse) um eine enge, freundschaftliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit bemüht war. Besonderer Dank gilt den Familien und FreundInnen, die ihre berechtigten Interessen gelegentlich zum Nutzen der Stiftungsarbeit zurückstellten.

Ausblick 2006

Nach wie vor gültig ist die folgende Passage aus unserem Jahresbericht 2004: »Um das erreichte Niveau der Stiftungstätigkeit zu halten und nach Möglichkeit sukzessive weiter zu steigern, ist es wichtig, den Kreis der Stiftungsaktiven nach und nach durch neu hinzukommende MitstreiterInnen zu erweitern«. Aufgrund des zunehmenden Bekanntheitsgrades der Stiftung geben wir die Hoffnung nicht auf, dass uns dies gelingt, obwohl es nicht einfach ist, Menschen für ein regelmäßiges ehrenamtliches Engagement zu begeistern und es zudem für Außenstehende schwer ist, sich in eine seit vielen Jahren bestehende Gruppe einzufinden.

Für Anfang 2006 steht ein neuer, funktionalerer Internet-Auftritt der Stiftung an, an dem derzeit gearbeitet wird.

Zu den in 2005 in Angriff genommenen Themen »Wilde Wisionen verzweifelt gesucht« und »Ein Queer-Blick auf Arbeits- und Geschlechterverhältnisse« soll in 2006 eine große, vertiefende Folgeveranstaltung stattfinden. Gedacht ist dabei an einen dreitägigen Kongress, der aus heutiger Sicht (nach bundesweiter Ankündigung) im November stattfinden wird. Als Veranstaltungsort für dieses zentrale Jahresereignis ist das Wuppertaler Kommunikationszentrum »Die Börse« vorgesehen.

Für ein Buchprojekt der mit uns eng kooperierenden Wissenschaftlerinnen Renate Lorenz, Brigitta Kuster und Pauline Boudry zu dem für unsere satzungsgemäße Stiftungsarbeit relevanten Thema »Sexuelle Arbeit« haben wir eine Förderung von 6.000,- Euro zugesagt. Für diesen Betrag wurde in der Bilanz per 31.12.2005 eine Rückstellung gebildet.

Auch der »buko 29« wird von uns wie im Vorjahr finanziell und mittels Teilnahme einiger Stiftungsratsmitglieder unterstützt und begleitet.


Wuppertal, 31.12.2005


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