Allerweltshaus Köln
Beginn: 19.00 Uhr
Eintritt frei!
Im September 2009 wird die deutsche Ausgabe von Michael Seidmans Buch „Workers against Work“ unter dem Titel: „Gegen die Arbeit. Über die Arbeiterkämpfe in Barcelona und Paris 1936-38“ im Verlag Graswurzelrevolution erscheinen.
Auf sozialhistorische Weise arbeitet das Buch die arbeitskritischen Impulse in den Arbeiterkämpfen der 1930er Jahre in Spanien und Frankreich heraus und unterstreicht damit eine lebendige Kritik an der „produktivistischen Utopie“ der traditionellen Arbeiterorganisationen. Im Zuge der heutigen globalen Krise des Kapitalismus und der Suche nach weniger wachstumsfetischistischen Entwicklungsmodellen der menschlichen Gesellschaft halten wir es für äußerst aktuell, sich mit diesen in der Geschichtsschreibung der Arbeiterbewegung vielfach verschütteten Tendenzen auseinanderzusetzen.
Aus der Verlagsankündigung des Buches:
Die spanische Revolution 1936-1939 und die sozialen Bewegungen im Frankreich der Volksfront-Regierung bilden noch immer wichtige Bezugspunkte von Bewegungen, die Kapitalismus und jede Herrschaft aufheben wollen. Aber stimmen unsere Wahrnehmungenund „Lehren“, die aus den vielfältigen individuellen und kollektiven Formen des damaligen Arbeiterwiderstands gezogen wurden?
Michael Seidmans materialreiche historische Studie zeigt, dass in Spanien wie in Frankreich unter unterschiedlichen Bedingungen radikale Praktiken der Arbeitsverweigerung anhielten, ja sogar aufblühten. Revolution hieß für die Arbeiter und Arbeiterinnen in Barcelona und Paris nicht mehr, sondern weniger arbeiten. Die Aufhebung der Lohnarbeit rückt durch diese Studie wieder ins Blickfeld der Gesellschaftsutopie.
Zwangsläufig konzentriert sich Seidman dabei auf den Kern der spanischen Revolution, nämlich die Abläufe in den Betrieben. Damit hebt sich sein Werk ab von der teils romantischen, vielfach jedoch auf die Front fixierten Literatur zum spanischen Bürgerkrieg. Außerdem bietet Seidman eine umfassende Darstellung der französischen Betriebsbesetzungen, über die es in deutscher Sprache bisher nur spärliche Veröffentlichungen gibt.
Mit seiner Forschung füllt Seidman eine bisher kaum wahrgenommene Lücke in der Geschichtsschreibung der Arbeiterbewegung. Das Buch veranschaulicht, dass sich aktuelle Diskussionen zur Kritik der wachstums-, profit- und produktionsorientierten Wirtschaft auf eine untergründig verlaufende, proletarische Verweigerungstradition beziehen können.
Der Referent
Michael Seidman ist Historiker an der University of North Carolina in Wilmington, USA. Er lebte Ende der Siebzigerjahre in Paris und promovierte 1982 in Amsterdam über das Thema dieses Buches. Er ist der Autor von bisher vier Büchern: Workers against Work (1991), Republic of Egos: A Social History of the Spanish Civil War (2002), The Imaginary Revolution: Parisian Students and Workers in 1968 (2004) und The Victorious Counterrevolution: The Nationalist Effort in the Spanish Civil War (2011). In seinen Forschungen zeigt er ein besonderes Interesse für soziale Bewegungen und individuelle Aktionen.
Veranstaltungsdaten
08. Oktober 2011, 19.00 Uhr
Allerweltshaus, Körnerstr. 77-79, 50823 Köln
Eine Veranstaltung der TtE-Bücherei Kön und des Kölner Herausgeberkreises der „Dissidenten der Arbeiterbewegung“ (Unrast-Verlag, Münster) in Kooperation mit der Stiftung W.

