Philipp Wix und Cecil Arndt
(Nichts) Neues von der Heimatfront. Von Bilderkriegen und Kriegerbürgern

Seit der zunehmenden Beteiligung der Bundesrepublik an internationalen Kriegen rückt das Thema Militarismus stärker in den Blick der kritischen Öffentlichkeit. Dabei steht auch die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft im Fokus linker Kritik. Dieser Kritik gegenüber finden sich relative Gleichgültigkeit oder Akzeptanz jener Militarisierungstendenzen seitens der breiten Öffentlichkeit – eine große Friedensbewegung oder gar eine breit getragene militante Praxis gegen Krieg und Militarisierung gehören längst zu den Relikten der Vergangenheit. Vielmehr spiegelt der zunehmende Konsum der von der Bundeswehr bereitgestellten Entertainment-Angebote auf Stadtfesten und in öffentlichen Musikvorführungen das Verhältnis von Zivilgesellschaft und Militär. Flankiert wird diese Art ›Militainment‹ von einer nahezu uneingeschränkten Vielfalt kriegssimulierender Computerspiele, deren Effekte allenfalls nach Amokläufen an Schulen kritisch hinterfragt werden. Wie aber lässt sich, angesichts der Ausmaße kriegerischer Aussenpolitik und der Militarisierung des Inneren, die weitgehende Zustimmung der deutschen Bevölkerung zur, zumindest aber die zu großen Teilen passive Akzeptanz von Bundeswehr, ihrer Präsenz im Alltag und ihrer Kriegspolitiken erklären? Aus einer antimilitaristischen Perspektive ist das mehr als nur eine theoretische Frage. Die kritische Auseinandersetzung mit Bundeswehr, NATO und anderen Kriegstreibern wird vermutlich solange nur marginal und damit diskriminierbar bleiben, wie sie die weitgehende Akzeptanz von Bundeswehr und Kriegsführung durch die Zivilgesellschaft nicht aufzubrechen vermag und das (noch) passive Verhältnis der Einzelnen zu ›ihrer‹ Armee und ›ihren‹ Kriegen nicht zum Gegenstand der (praktischen) Kritik macht.

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Eine gekürzte Version ist erschienen in analyse & kritik 540 (19.06.2009).